Männergesangverein Cäcilia Lütmarsen e.V.

Der Männergesangverein wurde am 1. Adventssonntag 1908 aufgrund von Anregungen zur Pflege des deutschen Liedgutes vom damaligen Dorfschullehrer Josef Castrop, in einer einberufenen Versammlung gegründet. Dieser hatte sich werbend für die Vereinsgründung eingesetzt und dabei immer den Zweck einer solchen Vereinsgründung herausgestellt, die lautete: „Pflege des deutschen Liedes und edler Geselligkeit, sowie Hebung Religion und guter Sitte durch das Lied.“ Er wies darauf hin, „wie schön es sei, wenn bei kirchlichen und weltlichen feiern, ein schöner, kräftiger Männergesang die Seelen erlebe und erbaue.“
Die Versammlung beschloss sodann, einen Männergesangverein zu gründen und wählte den Lehrer als 1. Dirigenten. Als 1. Vorsitzender, damals Präses genannt wurde Bauer Wilhelm Sagel gewählt. Viele sangesfreudige Männer folgten dem Aufruf und traten mit 23 Gründungsmitgliedern dem neuen Verein bei. Bei der Namensgebung einigte man sich zuerst auf den Vereinnamen „Harmonie“, entschied sich aber im Nachhinein für „Cäcilia“. Für die Übungsabende stand noch kein Klavier zur Verfügung, somit musste der Dirigent die Lieder mit der geige einüben. Gesungen wurde aus dem Chorliederbuch „Rütli“, das sich jeder Sänger selber besorgen musste. Die Gesangsabende wurden auf Dienstags und freitags festgelegt, Das erste Lied was eingesungen wurde, ist auch heute noch unter den Sängern sehr beliebt, „Brüder reicht die Hand zum Bunde“ von W.A. Mozart.
Bereits im Jahr 1911 traten dunkle Wolken über das Vereinsleben auf. Der verein spaltete sich in zwei Gruppen, der Sangesgruppe Cäcilia als Stammverein und der Gruppe Concordia. Nach Zwei Jahren fand man aber wieder zueinander, im Stammlokal, bei dem Wirt Julius Wöstefeld. Während des 1. Weltkrieges wurde die Sangestätigkeit aufgrund der Einberufung zum Kriegsdienst ausgesetzt. Auf den Kriegsschauplätzen fanden 9 Sänger den Tod. Nach dem Kriege traten die heranwachsenden Jungmänner gerne dem MGV bei, besonders auch Arbeiter und Angestellte der Höxteraner Portland Zementwerke, die auch den Lütmarser Männern Arbeit und Verdienstmöglichkeiten bot. Neben der Liedpflege betrieb der Verein auch sehr fleißig das Theaterspiel, das von der Lehrersfrau eingeübt wurde.
Im Jahr 1925 trat der MGV dem Deutschen Sängerbund (DSB) bei. Die meisten Gesangvereine aus der Umgebung gingen bei Ihren Festen hinter ihren Fahnen und so beschloss man 1928 die Anschaffung einer eigenen Sängerfahne. Es wurde eifrig an jedem Übungsabend für die Fahne gesammelt, doch es viel einigen sehr schwer für die Fahne etwas zu spenden. Auf 680,- Mark beliefen sich die Kosten, 400,- Mark waren zusammengesammelt worden, die fehlenden 280,- Mark spendierte der Vereinswirt. Die Fahne wurde bei den Nonnen in Salzkotten gestickt und ist auch heute noch ein Meisterstück seiner Art. 1928 wurde eine große Sängerreise zum Sängerbundesfest nach Goslar angetreten. Jeder zahlte 5,- Mark für die fahrt und den Festbeitrag. Für die damalige Zeit ein hartes Opfer und es zeugte von einem gewissen Idealismus. Vom 14. – 15. Juli 1929 fand das erste große Sängerfest mit der Weihe der erstmals angeschafften Vereinsfahne statt, dass ganze Dorf nahm an der großen Feier sowie den Festvorbereitungen teil. Der Chorleiter Josef Halbey hielt die Weihrede und enthüllte die Fahne. Am 01. Oktober 1931 wurde der bisherige Chorleiter nach Godelheim versetzt, sein Nachfolger wurde der Lehrer Anton Finke, der seine Sänger in der Versammlung durch Handschlag zur Treue und Pünktlichkeit verpflichtete.
Immer mehr verschlechterte sich die Lage des deutschen Volkes. Die Zahl der Arbeitslosen stieg auch in Lütmarsen drastisch an. Von 96 Familienvätern waren am 20.03.1933, 56 Männer ohne Arbeit. Am 14. August 1933 musste auf Anordnung der Regierung der Vorstand neu gewählt werden, um so nationalsozialistisch die Kontrolle über den Verein zu erhalten. Bei der Neuwahl wurde der alte Vorstand aber wieder gewählt. Ab 01. Januar 1934 wurde infolge der Neuordnung der Gebiete, der verein dem Westfälischen Landesverband, Unterbezirk Höxter – Warburg im DSB – Gau Westfalen zugeordnet. Vom 14- bis 15. Juli wurde das 25 jährige Vereinsbestehen, zu dem der Vorstand viele Nachbarvereine eingeladen hatte gefeiert. Der Vorsitzende Josef Drüke begrüßte die Gäste und der Bürgermeister Kahrmann entbot die Willkommensgrüße der Gemeinde und überreichte einen Silberkranz für die Fahne.
Alsbald zeigte die Zeit wieder ihr ernstes Gesicht. Am 13.07.1937 müssen die älteren Jahrgänge der Sangesbrüder zur Musterung in das Hotel Reichspost nach Höxter und im herbst zu militärischen Übungen einberufen. 1937 wurde Johannes Wöstefeld zum 1. Vorsitzenden gewählt. Am 01.09.139 erfolgte der Einmarsch in Polen. 33 Sangesbrüder wurden zu teil zu den aktiven Truppen, zum teil zu den Landesschützen eingezogen. Während des Krieges ruhte die Vereinstätigkeit. Dank der Vorsorge des Vereinswirtes blieben die Liederbücher und die Fahne unversehrt.

Die Fasnacht im Jahre 1947 wurde so schön wie seit langer Zeit gefeiert. Die Hauskapelle des Gesangvereins spielte vor mehr als 100 Besuchern. Die neu gebaute Ellernscheune auf dem Dreschplatz der Gemeinde wurde zum 40 jährigen Stiftungsfest im Jahr 1949 für ein großes Sängerfest mitgenutzt Die Presse berichtet mit der Schlagzeile „ Tausend Sänger gratulieren.“ In den 50 er Jahren wurde der Gesangverein durch den gemischten Chor „St. Ansgar“ erweitert. Am 06. Juli 1952 übernahm der gemischte Chor den Auftritt beim Sängerfest in Bruchhausen, gleichzeitig trat der Männerchor zum Sängerfest der Liedertafel in Höxter auf. Vom 17. bis 19. Mai 1958 wurde das 50 – jährige Jubiläum gefeiert. Das Wetter war durchwachsen, die Stimmung aber gut Aber der Schmuck des Dorfes erreichte nicht die Fülle und Schönheit von 129 und 1949. Die Menschen sind kälter geworden gegen Ideale. Aber die jungen Mädchen des gemischten Chores hatten sich viel Mühe gemacht, besonders die Frau Lehrerin Angela Hermes. Die presse würdigte das fest mit der Schlagzeile „Jubiläum im singenden Dorf, 50 Jahre MGV Cäcilia Lütmarsen. Am 28.10.1968 gab es einen schweren Rückschlag für den Verein, der Dirigent Anton Finke wurde bei einem Verkehrsunfall tödlich verletzt. Das Dorf erstarrte in tiefer Trauer, der verein stand ohne Dirigent da und konnte nach vielen Versuchen die Lehrerin Frau Breitenstein als neue Dirigentin gewinnen. 1974 wieder ein schwerer Schlag für den Verein. Der 1. Vorsitzende Johannes Wöstefeld starb plötzlich und unerwartet an Herzversagen. Von 1937 bis 1974 hat er seine Aufgaben in Treue und Übersicht erfüllt. Im Jahr 1989 übernahm der Dipl. Ing. Jochen Lüders aus Bosseborn die Aufgaben des Dirigenten und hat den Chor bei vielen öffentlichen Auftritten Achtung und Aufmerksamkeit verschafft. Im Jubiläumsjahr 2008 wurde der 100. Vereinsgeburtstag gebührend gefeiert. Zu dem besonderen Ereignis wurde die vom Bundespräsidenten unterschriebene Urkunde mit der Zelter Plakette, dem Verein in einer Feierstunde in Lippstadt, vom Staatssekretär für Kultur in NRW, Herr Grosse Brockhoff übereicht.

Gedenkstein 100 Jahre MGV Cäcilia Lütmarsen an der Kirche
Vorsitzende:
1908 - 1930 Bauer Wilhelm Sagel
1930 - 1937 Tischlermeister Josef Drüke
1937 – 1974 Johannes Wöstefeld
1974 – 1982 Fritz Seck
1982 – 2000 Graf Johannes Droste zu Vischering
2000 – 2004 Heinz Seck
2004 Hugo Spieker
Ansprechpartner: Hugo Spieker, Im Wiesengrund, 37671 Höxter - Lütmarsen, , Tel.: 0 52 71 / 31 62 4
Quelle: MGV Cäcilia Lütmarsen e.V. Karl - Josef Kruse
Bildberabeitung und Texte: Thomas Drüke
